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Podocarpus-Nationalpark

Der Botanische Garten Amerikas
 
Die tropischen Bergwälder Ecuadors beheimaten eine unvergleichliche Artenvielfalt. Die gesamte südecuadorianische Provinz Loja, insbesondere der Podocarpus-Nationalpark, wird auch als "Botanischer Garten Amerikas" bezeichnet. Das Gebiet weist mehr als 100 Lagunen auf und ist deshalb ein wichtiger Wasserspeicher im südlichen Ecuador.
Etwa 3000 - 4000 Pflanzenarten sind in dieser Region beheimatet (doppelt so viele wie in ganz Deutschland). In dem streckenweise schwer zugänglichen Gelände können über 560 Vogelarten beobachtet werden.

Artenvielfalt durch außergewöhnliche Topografie
 
Die Anden, im Norden Ecuadors bis zu 6000 Meter hoch, flachen im Süden ab. Die "Cordillera de los Andes" teilt in den Bergwald in der Provinz Loja in zwei klimatisch völlig unterschiedliche Regionen, die tiefe Region (zona baja) im Osten und die hohe Region (zona alta) im Westen.
Östlich der Bergkette wird das Gebiet auf einer Höhe von 1000 bis 1600 Meter klimatisch vom Amazonastiefbecken beeinflusst. Es ist feuchter und mit durchschnittlich 18 Grad deutlich wärmer als auf der Westseite der Kordilleren.
In diesem kühleren Gebiet entwickeln sich in einer Höhenlage bis zu 3600 Metern völlig andere Lebensräume. Die Vielzahl unterschiedlicher Lebensbedingungen auf kleinstem Raum werden als Mikroklimas bezeichnet. Sie fördern die Entstehung von endemischen Arten.
Wegen der geringeren Höhe der Andenkette sind außerdem Wanderbewegungen zwischen der Pazifikregion und dem Amazonastiefbecken möglich.

Seit 20 Jahren Schutzgebiet
 
Um diesen einzigartigen Primärwäld vor menschlichen Einflüssen zu schützen, gründete 1982 die Organisation INEFAN (Instituto Ecuatoriano Forestal y de Areas Naturales y Vida Silvestre) den 146.280 Hektar großen Podocarpus-Nationalpark.
Die ecuadorianisch-amerikanische Organisation NCI (Natur and Culture International) betreibt seit 1997 die Forschungsstation ECEF. Deutsche und ecuadoriansche Biologen, Ökologen und Geologen untersuchen interdisziplinär den Lebensraum Bergwald.

Rückzugsgebiet für gefährdete Arten
 
560 Vogelarten wurden bislang im Podocarpus-Nationalpark registriert.
Dies entspricht rund 35 % aller in Ecuador vorkommenden Vogelarten und 6 % weltweit. Der vom Aussterben bedrohte bärtige Guan (Penlope barbata), der Andentukan und über 61 Vertreter der Kolibris leben von dem reichhaltigen Nahrungsangebot des Waldes.
Große Gebiete sind schwer zugänglich und deshalb nicht vollständig erschlossen. Forscher gehen davon aus, dass sich noch viele unbekannte Vogelarten in den tropischen Bergwäldern des Nationalparks verbergen.
 
Etwa 130 Fledermausarten kommen in Ecuador vor. Einige Arten sind im Nationalpark zu Hause. Die nachtaktiven Tiere haben ein schlechtes Image. Als Vampire verschrien, wird den wichtigen Pflanzenbestäubern vom Menschen nachgestellt.
Unter den Säugetieren sind ebenfalls die stark gefährdeten Brillenbären und Tapire auf das Schutzgebiet angewiesen. Vor allem das Tapir wurde bis in die achziger Jahre gejagt, da dessen Fleisch und Blut dem Aberglauben nach gegen zahlreiche Krankheiten hilft.
 
Auch unter den Pflanzenvertretern gibt es gefährdete Arten. Die einzigen Koniferen Ecuadors sind die Gattungen Podocarpus oleifolius und Podocarpus rospigliosi. Diesen Bäumen verdankt der Park seinen Namen.
Die gewaltigen Bäume haben ein extrem hartes und widerstandsfähiges Holz. Sie sind deshalb sehr beliebtes Nutzholz und wurden vor allem in den Randgebieten des Parks von den Farmern gefällt. Außerhalb des Nationalparks kommen diese Bäume so gut wie nicht mehr vor.

Forschungsergebnisse praktisch angewendet
 
Forschung auf der Station San Francisco bedeutet nicht nur wissenschaftliche Abhandlungen über das komplexe Ökosystem zu schreiben. Die Erkenntnisse der internationalen Wissenschaftler werden gezielt in verschiedenen regionalen Projekten eingesetzt:
 
Um das schlechte Image der Feldermäuse aufzupolieren, nimmt der Biologe Felix Matt in seiner Freizeit an Umweltbildungsprojekten in Schulen teil.
 
Ecuador hat weltweit eine der höchsten Abholzungsraten. Alte Weiden werden hauptsächlich mit eingeführten Arten wie dem Eukalyptus-Baum und der Kiefer aufgeforstet. In Zusammenarbeit mit der Universität in Loja bemüht sich NCI um alternative Aufforstung mit einheimischen Baumarten.
 

 
 
 
 
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