Seit 1941 wird im Oriente, dem Regenwaldgebiet östlich der Andenkordilleren, Erdöl gefördert. Die erste internationale Ölkrise in den 70 iger Jahren verhalf der Branche zu einem großen Aufschwung. Die steigenden Ölpreise lockten zahlreiche Investoren ins Land, die großzügig Kredite vergaben, in der Hoffnung, langfristig vom boomeden Ölgeschäft profitieren zu können. Texaco baute in dieser Zeit die SOTE-Pipeline. Bis heute werden so täglich etwa 400.000 Barrel Öl aus dem Amazonasgebiet an den Pazifik transportiert. Die erhofften Einnahmen aus dem Ölgeschäft sollten die Schulden durch die Kreditaufnahme bei weitem übersteigen. Doch obwohl das Erdöl das wichtigste Exportgut Ecuadors darstellt, hat sich die langfristige öffentliche Auslandsverschuldung von 242 Mio. US-Dollar 1970 auf 13,4 Mrd. US-Dollar im Jahr 2000 erhöht (Quelle: Suedwind-Institut). Fehlende Kostentransparenz, Korruption, unsolide Investitionsentscheidungen und die geringe Einbindung der lokalen Interessen werden als Schlüsselfaktoren dieser Entwicklung gesehen. Durch schwankende Ölpreise in den 1990 igern geriet der Staat in Zahlungsverzug. Heute ist Ecuador das Land mit der höchsten Pro-Kopf-Verschuldung (1.100 US-Dollar) in Lateinamerika.
Zahlungsschwierigkeiten bei steigendem Schuldendienst Schon zu Beginn der 1980 iger geriet der Andenstaat das erste Mal in Zahlungsschwierigkeiten. Es wurden bis heute sechs Umschuldungsabkommen mit den Gläubigern geschlossen, um die drohende Zahlungsunfähigkeit abzuwehren. Bei Umschuldungsabkommen werden die Forderungen nicht erlassen, der Schuldner erhält jedoch die Möglichkeit, seinen Rückzahlungsverpflichtungen über einen längeren Zeitraum nachzukommen. Weitreichende Reformen sollten zudem die Wirtschaft ankurbeln und so die Zahlungsfähigkeit des Staates garantieren. Im Jahre 2000 jedoch sahen sich die Gläubiger aufgrund der verheerenden Wirtschaftskrise gezwungen, dem zahlungsunfähigen Land einen Teilerlass einzuräumen. Es handelte sich aber nur um eine kurzfristige finanzielle Entlastung des Staates.
Erdöl - der Retter in der Not? Fest steht, dass Ecuador Exporte benötigt, die der Staatskasse die dringend benötigten Devisen einbringen. Wie sonst könnte der Staat langfristig den Zahlungsverpflichtungen nachkommen? Da es in Ecuador keine nenneswerte Veredelungswirtschaft gibt, kann neben landwirtschaftlichen Erzeugnissen nur mit unverarbeitete Rohstoffe wie Erdöl genügend Devisen verdient werden. Eine Erhöhung der Fördermenge und damit weitere Ausbeutung der eigenen Ressourcen scheint der einzige Weg zu sein, die Auslandschulden decken zu können. Die Folgen für Ecuador liegen auf der Hand: Der Staat verbraucht in den nächsten Jahrzehnten seine natürlichen Ressourcen, ohne die Exporterlöse in die Entwicklung der Wirtschaft und die Bedürfnisse der Menschen investieren zu können.
OCP-Projekt kein Heilbringer Statt Alternativen zu diesem Szenario zu suchen, wurde durch die Kreditvergabe der WestLB an das OCP-Projekt der Weg für eine zweite Ölpipeline geebnet. Mitten in der Bauphase der Pipeline sehen sich die Beteiligten aber nun neben verschärften Protesten von Umweltschützern auch mit wirtschaftlichen Problemen konfrontiert. Um das OCP-Projekt politisch durchsetzen zu können, haben die beteiligten Ölfirmen ihre Ölkonzessionen im Oriente zu hoch bewertet. Laut Angaben des ecuadorianischen Kongressabgeordneten Henry Llanes liegen die Erdölreserven nach offiziellen Angaben bei etwa 917 Millionen Barrel. Die Ölfirmen gaben jedoch ein Volumen von insgesamt 1,6 Milliarden Barrel Öl an. Folglich würden die vorhandenen Ölvorkommen somit gerade sechs Jahre lang die Kapazität der neuen Pipeline auslasten. In der dem Projekt zugrundeliegenden Kalkulation wurde jedoch eine Betriebszeit von 20 Jahren festgelegt.
Illegale Sicherheiten gefährden Kreditrückzahlung Auch die Refinanzierung des Kredites der WestLB ist dadurch gefährdet. Der Kredit des Bankenkonsortiums soll über einen Zeitraum von 17 Jahren getilgt werden. Unmöglich, wenn die Ölvorräte im Oriente in wenigen Jahren ausgehen. Hinzu kommen Unregelmäßigkeiten bei der Kreditvergabe. Die Firmen des OCP-Konsortiums gaben die noch nicht geförderten Ölreserven ihrer Konzessionsgebiete als Sicherheit für den Kredit an. Ein in zweierlei Hinsicht dubioses Vorgehen: Die künstlich aufgeblähten Ölvorkommen existieren nach offiziellen Angaben nicht und die im Boden befindlichen Ressourcen sind bis zur Förderung Staatseigentum.
Fazit: Der WestLB droht ein Totalverlust von 900 Millionen US-Dollar.Die privaten Auslandschulden Ecuadors haben sich durch das Projekt im letzten Jahr auf 4,1 Milliarden US-Dollar verdoppelt. Dem hochverschuldeten Land droht nach 1999 erneut der ökonomische und soziale Supergau.
Welche Auswirkungen hat der Pipelinebau und die Erdölförderung auf Mensch und Natur?
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