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"Chemische Keule gegen Kokain"
 
 
 
Der Plan Colombia und seine Auswirkungen
 

1998 wurde der Plan Colombia unter dem damaligen kolumbianischen Präsidenten Pastrana erstmals vorgestellt.
Er sah weitreichende Reformen im wirtschaftlichen, judikativen und öffentlichen Bereichen vor, sollte den Friedensprozess beschleunigen, die Menschenrechte garantieren und den Drogenanbau bekämpfen. Für diesen umfangreichen Umschwung benötigte Kolumbien Devisen aus dem Ausland. Pastrana wandte sich zunächst an die Vereinigten Staaten und Europa in der Hoffnung, etwa
3,5 Milliarden US-Dollar für die Umsetzung seines ehrgeizigen Planes zu erhalten.
 

1,7 Milliarden US-Dollar Finazhilfe der USA
 
Während sich die Europäer zunächst "nur" mit etwa 300 Millionen Dollar beteiligten, versprachen die USA rund 1,7 Milliarden US-Dollar. Diese Finanzspritze sollte vor allem in die militärische Aufrüstung der Armee im Kampf gegen die Guerilla und den Drogenanbau fließen. Kolumbien wurde so nach Israel und Ägypten zum weltweit drittgrößten Empfänger der US-Militärhilfe.
Vor allem im Süden des Landes werden seitdem die großen Kokainplantagen aus der Luft mit Herbiziden besprüht. Die USA und die kolumbianische Regierung wollen so direkt eine wichtige Einkommensquelle der Guerillaorganisationen wie der FARC (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia / Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens) treffen.
 

Herbizidbesprühungen aus der Luft
 
2002 wurden schätzungsweise 132.000 Hektar Koka- und Schlafmohnanpflanzungen mit dem Totalherbizid Glyphosat besprüht. Das eingesetzte Gift ruft bei der ansässigen Bevölkerung und den Tieren große gesundheitliche Schäden hervor. Trotz dieser Erkenntnis sollen im kommenden Jahr weitere 200.000 Hektar Land besprüht werden.
Kritiker des Plan Colombia werfen den Regierungen Kolumbiens und den USA vor, neben der Drogenbekämpfung vor allem die Kontrolle über die abgelegenen Regionen und deren Ressourcen erlangen zu wollen und deshalb bewusst die hohen gesundheitlichen Risiken in Kauf zu nehmen.
Im an Ecuador angrenzenden Gebiet Putumayo schrumpfte die Anbaufläche für Kokain durch Besprühung und Verlagerung der Pflanzungen die Anbaufläche von 60.000 auf etwa 14.000 Hektar. Befürworter wie der kolumbianische Innenminister Londoño sieht darin eine Bestätigung in der harten Linie des Staates.

 
Zahl der Flüchtlinge steigt
 
Nicht vergessen sollte man aber die über 10.000 Vertriebenen allein in Putumayo. In Kolumbien sind 2002 etwa 40.000 Menschen durch die Drogenbekämpfung aus Ihren angestammten Regionen vertrieben worden. Aber nicht als Vertriebene, sondern als freiwillige Migranten werden die Menschen von der kolumbianischen Regierung bezeichnet. Das Anrecht auf finanzielle Unterstützung und staatliche Hilfe haben sie deshalb nicht.
Viele Menschen aus Südkolumbien fliehen nach Ecuador auf der Suche nach besseren Lebensbedingungen. Laut EBD sollen sich 2002 etwa 12.000 Kolumbianer in Ecuador angesiedelt haben.
Da die wirtschaftliche Situation im Nachbarland ebenfalls sehr angespannt ist und viele Ecuadorianer ein Überschwappen des Bürgerkrieges fürchten, birgt die Landflucht nach Ecuador erhebliches Konfliktpotenzial.
 
Ecuadorianisches Grenzgebiet von Herbizideinssätzen betroffen
 
Hinzu kommt es auch auf ecuadorianischem Gebiet immer wieder zu Besprühungen mit den aggressiven Herbiziden. Hunderte Bauern haben ihr Land verlassen, da durch den Einsatz der Herbizide die Nutzpflanzen absterben und das Grundwasser verseucht wird.
Die ecuadorianische Regierung forderte bereits im Jahr 2000 von der kolumbianischen Regierung, während der Einsätze einen zehn Kilometer breiten Sicherheitskorridor zu Ecuador einzuhalten.
Untersuchungen der Organisation Acción Ecologica beweisen jedoch eine Zunahme an den Giften in Boden, Wasser und Luft. Sie werfen der Regierung vor, durch Passivität grundlegende Staatsgarantien verletzt zu haben, die in der ecuadorianischen Verfassung verankert sind, u.a. die Erhaltung der Lebensqualität sowie den Schutz der Natur und der Umwelt.
 
weitere Informationen finden Sie bei Acción Ecologica (Spanisch).
 

 
"Chemische Keule gegen Kokain". Eine Reportage über Augenzeugenberichte aus dem Oriente...
 

 
 
 
 
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